Kunst
„The winner is“, Installation
von Silke Koch, 2005
"The winner is …" kündigt der Oscarverleiher
den Sieger an. Wer es ist? Das lässt Silke Koch offen. Sie zeigt
die Siegerinnen nicht. Oben stehen, dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
in der Mitte oder außen, links oder rechts. Aber
immer ist eine der Star - jetzt, für einen Moment. Wer "winner"
ist, sollte erst mal durchatmen. Sich freuen. Erfolg genießen. Für
einen Moment herausgehoben als Individuum von seinen Mitbewerbern. Wer
dann, nach einem kurzen Moment vom Treppchen heruntersteigt, ist immer
noch "winner". Aber man sieht es nicht mehr. Das heißt,
den Sieg verwalten. Für sich und vor Anderen.
Man steht nicht immer nur oben. Morgen kann alles anders sein, morgen
ist alles anders. Und: die Erste sein geht nur, weil es eine Zweite und
eine Dritte gibt.
Die Installation zeigt fünf Modelle von Siegertreppchen: "Vier
Modelle hat uns die Leistungsgesellschaft vorgegeben, uns angeboten. Und
eines habe ich selbst entwickelt, als Hinter-fragung der anderen vier",
sagt Silke Koch.
Das bevorzugte Siegerpodest: In der Mitte steht die Erste, in deutlich
erhöhter Position, links von ihr die Zweite, etwas tiefer, aber immer
noch etwas höher als die Dritte. Und alle überragen ihre MitstreiterInnen.
Die Siegerinnen - sichtbar auf dem Podest.
Die Variationen …
 
 
Silke Koch auf ihrem Objekt, dem traditionellen Modell. Oben. In der Mitte.
Sie sitzt. So verliert sie nicht die Bodenhaftung. Sie ruht sich aus in
ihrem Erfolg. Ist stolz.
Gefertigt sind die Siegertreppchen durch Schneiden, neu Schichten und
Verleimen von Einbauküchen und Wohnzimmerschränken der 60er
und 70er Jahre. Lackierte Flächen beschichtet mit "Resopal",
das in der DDR "Sprelacart" hieß. Das Maß: exakt
so breit wie die Schublade der normierten Küchen.
Küche, das typische und genormte Arbeitsumfeld der traditionellen
Frauenrolle. In verschiedenen Farben lackiert. Aus Küchenmöbeln
werden Siegerpodeste, Symbole für Karrierefrauen. Aus alt mach neu?
Vielleicht die Westsicht. Oder: Frauen in der DDR hatten immer beides
- Küche und die Karriere, zumindest aber ihren Beruf.
Dies ist die weibliche Sicht. Wie Männer das wohl sehen? Egal. Silke
Koch bietet viele Perspektiven an, individuelle. Man kann die Treppchen
kombinieren, umbauen, mit ihnen spielen, die Richtung ändern. Es
bleibt aber die Dreiteilung. Das Podest. 
Unter dem Lack ist Pressspan. In vielen Schichten. Rau nach außen.
Nur etwas geglättet an den Kanten, damit man sich nicht verletzt,
wenn man es anfasst. Besser, man stellt sich einfach drauf. Oben drauf.
Galerie
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